Hinweise zur Suchtmedizin


  • Sucht ist eine schwere, in der Regel nicht heilbare Hirnerkrankung auf biochemischer Basis, nicht ein Problem mangelnder Willensstärke oder eines schwachen Charakters. Entzugssymptome und das Verlangen nach dem Suchtmittel sind so stark, dass meist auch der entschlossenste Patient kapitulieren muss.

  • Bis heute gibt es keine einfache Therapie für Suchterkrankungen wie z.B. für Rauchen, Alkoholproblemen, Esssucht und Spielsucht. Kurzzeitige Entzugsbehandlungen haben selten Erfolgsaussichten. Wissenschaftlich erwiesen sind Erfolge mit verhaltenstherapeutischen Konzepten und im Falle der Opiatabhängigkeit mit einer Opiatersatzsubstitution.

  • Von nicht unwesentlicher Bedeutung bei der Behandlung einer Suchterkrankung ist die Therapie zusätzlich bestehender psychiatrischer Erkrankungen. Oft besitzen hier die Suchtmittel eine quasi-therapeutische Bedeutung.
    Dies trifft auf Depressionen, Angst- und Panikerkrankungen, Unruhe- und Schlafstörungen zu. Eine Therapie dieser zusätzlich bestehenden Erkrankungen erleichtert die Therapie der Suchterkrankung. Dennoch bleiben die Symptome der Sucht bestehen.

  • Ständig neues Bemühen um Stabilisierung ist angesagt. Clean werden ist manchmal nicht unbedingt das primäre Ziel. Die strickte Forderung danach kann sich durchaus kontraproduktiv auswirken. Auch ein Therapeut kann eine Suchterkrankung nicht ernst genug nehmen da sie, mit allem was sie impliziert, nicht selten einen tödlichen Verlauf nimmt.